Dieser Beitrag vereint zwei frühere Artikel zu Core Web Vitals und technischem SEO. Stand: 27. Oktober 2026. In dieser Aktualisierung neu: das Ende der FAQ-Snippets bei Google, was Google und Bing zur KI-Suche sagen, IndexNow, llms.txt und eine Checkliste zum Abhaken.
Viele Unternehmen investieren in Texte, Keywords und Backlinks und wundern sich trotzdem, warum ihre Website bei Google nicht die erhoffte Position erreicht. Ein Faktor wird dabei häufig übersehen: die technische Qualität der Seite. Google misst die Nutzererfahrung mit den sogenannten Core Web Vitals und schreibt selbst, dass diese Werte von den Ranking-Systemen genutzt werden. Gleichzeitig hat sich die Suche verändert: KI-Antworten bei Google und Bing, INP statt FID als Core Web Vital, und FAQ-Snippets zeigt Google seit Mai 2026 überhaupt nicht mehr an. Was davon technisch zu tun ist, fasse ich hier zusammen.
Was Core Web Vitals sind
Core Web Vitals sind drei technische Kennzahlen, mit denen Google die Nutzererfahrung einer Seite misst. Der Largest Contentful Paint (LCP) gibt an, wie schnell der größte sichtbare Inhalt einer Seite geladen ist, typischerweise ein Bild oder eine Überschrift. Google empfiehlt einen Wert von höchstens 2,5 Sekunden. Eine langsam ladende Seite verliert Besucher, bevor sie auch nur einen Satz gelesen haben.
Der Cumulative Layout Shift (CLS) misst, wie stark sich Seitenelemente während des Ladens verschieben. Jeder kennt das: Man will auf einen Button tippen, plötzlich lädt ein Bild nach, und der Button ist woanders. Werte von höchstens 0,1 gelten als gut.
Die dritte Kennzahl ist der Interaction to Next Paint (INP). Seit März 2024 ist INP offizieller Core Web Vital und hat den älteren First Input Delay ersetzt. Während FID nur die erste Interaktion auf einer Seite maß, bewertet INP die Reaktionszeit auf Klicks, Tippen und Tastatureingaben während des gesamten Besuchs. Ein INP von höchstens 200 Millisekunden gilt als gut, bis 500 Millisekunden als verbesserungsbedürftig, darüber als schlecht. Schwerfällige JavaScript-Frameworks und blockierende Event-Handler fallen damit direkt in den Messwerten auf.
Wichtig für die Einordnung: Maßgeblich sind die Werte echter Besucher, gemessen am 75. Perzentil der Seitenaufrufe und getrennt nach Mobil und Desktop. Der Score in PageSpeed Insights ist dagegen eine Labormessung, die beim Finden von Ursachen hilft. Und Google stellt klar, dass gute Werte allein keine Spitzenplätze garantieren. Technik ist die Voraussetzung, der Inhalt entscheidet mit.
Was zählt für die KI-Suche?
Googles AI Overviews und der AI Mode zeigen für viele Suchanfragen eine KI-generierte Antwort mit Links zu den Quellen. Was Google zur Optimierung dafür sagt, ist erstaunlich nüchtern: Es gibt keine zusätzlichen technischen Anforderungen. Eine Seite muss indexiert sein und für ein Snippet in der normalen Suche infrage kommen. Laut Googles Leitfaden zur KI-Optimierung braucht es dafür weder besonderes Schema.org-Markup noch eigene KI-Textdateien noch einen speziellen Schreibstil für KI. Die klassischen Grundlagen bleiben also der Hebel: crawlbare Seiten, eine saubere Überschriftenstruktur und Inhalte mit echter Substanz.
Bing ist bei der Messung inzwischen weiter: Seit Februar 2026 zeigt der Bericht AI Performance in den Bing Webmaster Tools als öffentliche Vorschau, wie oft Inhalte einer Website in Microsoft Copilot und in KI-Zusammenfassungen bei Bing als Quelle zitiert werden. Wer bisher nur die Google Search Console nutzt, sollte die Bing Webmaster Tools zusätzlich einrichten.
Strukturierte Daten nach dem Ende der FAQ-Snippets
Strukturierte Daten bleiben sinnvoll, weil sie eine Seite laut Google für Rich Results in der Suche infrage kommen lassen. Die Auswahl ist aber kleiner geworden. FAQ-Snippets zeigte Google seit August 2023 nur noch für bekannte, maßgebliche Websites von Behörden und aus dem Gesundheitsbereich. Seit dem 7. Mai 2026 erscheinen sie gar nicht mehr, im Juni 2026 hat Google die Dokumentation dazu entfernt (Änderungsprotokoll der Google Search Central). Wer FAQ-Markup nur wegen der aufklappbaren Fragen im Suchergebnis eingebaut hat, bekommt dafür bei Google keine Darstellung mehr. Sinnvoll bleiben die Typen aus Googles Galerie der unterstützten strukturierten Daten, für Unternehmenswebsites vor allem Article, Organization, Local Business und Breadcrumb.
IndexNow: Änderungen direkt an Bing melden
IndexNow ist ein Protokoll, mit dem eine Website Suchmaschinen direkt mitteilt, dass eine Seite neu ist, geändert oder entfernt wurde. Laut indexnow.org nehmen unter anderem Bing, Naver, Seznam.cz, Yandex und Yep teil, und eine Meldung an einen Endpunkt wird an alle teilnehmenden Suchmaschinen weitergegeben. Google steht nicht auf der Liste. Technisch braucht es nur eine Schlüsseldatei auf dem Webserver und einen HTTP-Aufruf nach jeder Änderung, das lässt sich gut in einen Build- oder Deploy-Prozess einbauen. Eine Garantie für Crawling oder Indexierung ist das laut Bing nicht.
Die Sitemap ersetzt IndexNow nicht, und umgekehrt. Bing nennt Sitemaps auch für die KI-gestützte Suche ein grundlegendes Signal und wertet das Feld lastmod aus. Es sollte deshalb das echte Datum der letzten inhaltlichen Änderung enthalten und nicht den Zeitpunkt, zu dem die Sitemap erzeugt wurde.
llms.txt: Ergänzung, kein Rankingfaktor
Die Datei llms.txt ist ein Vorschlag von Jeremy Howard aus dem September 2024: eine Markdown-Datei, in der Regel im Stammverzeichnis, die KI-Systemen einen kompakten Überblick über eine Website gibt. Ein formaler Standard ist sie nicht. Google hat im Juni 2026 klargestellt, dass die Google-Suche solche Dateien nicht nutzt und dass sie der Sichtbarkeit weder helfen noch schaden (Leitfaden zur KI-Optimierung). Ich sehe llms.txt deshalb als kleine Ergänzung für KI-Assistenten, nicht als SEO-Maßnahme.
Warum das für lokale Unternehmen besonders zählt
Bei lokalen Suchanfragen wie "Softwareentwickler Freiburg" oder "IT-Dienstleister Freiburg" konkurrieren in der Regel weniger Seiten um die vorderen Plätze als bei überregionalen Begriffen. Technische Qualität kann hier ein spürbarer Unterschied sein: Eine gut optimierte Seite eines regionalen Anbieters hat eine echte Chance gegen eine inhaltlich reichhaltigere, aber technisch schwache Konkurrenzseite. Für kleine und mittlere Unternehmen ist das eine der Stellen, an denen sie mit überschaubarem Aufwand gegen größere Wettbewerber aufholen können.
Die häufigsten technischen Probleme in der Praxis
Nicht optimierte Bilder sind ein häufiger Grund für schlechte LCP-Werte. Bilder, die in Originalgröße statt in optimierter Webgröße eingebunden werden, verlangsamen den Seitenaufbau erheblich. Fehlende Größenangaben bei Bildern und Iframes führen zu Layout-Verschiebungen. Zu viel JavaScript blockiert das Rendern und treibt den INP nach oben. Dazu kommen die Grundlagen, die weiterhin Pflicht sind: eine saubere, crawlbare Struktur, korrekte Canonical-Tags, eine vollständige hreflang-Implementierung bei mehrsprachigen Seiten und eine valide robots.txt. Wer diese Basics nicht beherrscht, verschenkt Potenzial, egal wie gut der Inhalt ist.
Was Sie konkret tun können
Der erste Schritt ist eine Messung des Ist-Zustands. Google PageSpeed Insights liefert kostenlos eine detaillierte Analyse inklusive konkreter Verbesserungsvorschläge. Werte von 90 bis 100 Punkten stuft Lighthouse als gut ein, und die Messung sollte regelmäßig wiederholt werden, weil jede Änderung an der Seite sie verschieben kann. Diese Website erreicht auf dem Smartphone 100 von 100 Punkten in allen vier Kategorien, gemessen im September 2026 auf der Startseite. Wie ich dabei vorgehe, steht auf der Seite zur Webentwicklung in Freiburg.
Dann folgen die Maßnahmen: Bilder in modernen Formaten wie WebP oder AVIF und in passender Größe einbinden, Lazy Loading für Inhalte außerhalb des sichtbaren Bereichs, kritisches CSS inline und den Rest verzögert laden, JavaScript nur dort, wo es gebraucht wird, Schriftarten vorladen. Dazu Schema.org-Markup für Organisation oder LocalBusiness und für Blogartikel, HTTPS mit HSTS, gepflegte og:title- und og:image-Angaben für alle wichtigen Seiten. Das klingt technisch, und das ist es auch. Der Aufwand kommt aber direkt bei den Besuchern an, weil die Seite schneller lädt und stabiler reagiert.
Der größte Hebel bleibt trotzdem inhaltlich. Hilfreiche, verlässliche Texte mit klarer Gliederung empfiehlt Google ausdrücklich, auch im Leitfaden zur KI-Optimierung. Massenhaft erzeugte Seiten ohne Nutzen für Leser wertet Google dagegen als Spam, ausdrücklich auch dann, wenn sie mit generativer KI erstellt wurden. Technik und Inhalt sind keine Alternativen, sondern zwei Hälften derselben Aufgabe.
Technisches SEO 2026: Checkliste
- Core Web Vitals im Feld: LCP höchstens 2,5 Sekunden, INP höchstens 200 Millisekunden, CLS höchstens 0,1, jeweils am 75. Perzentil. Die Werte echter Besucher zeigt der Bericht Core Web Vitals in der Google Search Console.
- Labormessung: PageSpeed Insights regelmäßig laufen lassen, Ziel 90 Punkte oder mehr, mobil und am Desktop.
- Indexierung: robots.txt sperrt keine wichtigen Seiten, jede Seite hat einen korrekten Canonical, kein versehentliches noindex.
- Sitemap: vollständig, in Search Console und Bing Webmaster Tools eingereicht, lastmod mit dem echten Änderungsdatum.
- IndexNow: neue und geänderte Seiten automatisch melden, am besten direkt aus dem Deploy-Prozess.
- Strukturierte Daten: nur Typen aus Googles Galerie, etwa Article, Organization, Local Business und Breadcrumb. Für FAQ-Snippets gibt es bei Google keine Darstellung mehr.
- Überschriften: eine H1 pro Seite, darunter logisch gegliederte H2 und H3, jede Seite beantwortet eine klare Frage.
- Bilder: WebP oder AVIF, passende Größe, width und height angegeben, Lazy Loading unterhalb des sichtbaren Bereichs.
- JavaScript: nur laden, was gebraucht wird, lange Aufgaben aufteilen, damit die Seite schnell auf Klicks reagiert.
- HTTPS: auf allen Seiten, mit HSTS und ohne gemischte Inhalte.
- Bing Webmaster Tools: einrichten und den Bericht AI Performance beobachten.
- llms.txt: optional, für die Google-Suche ohne Wirkung.
Häufige Fragen zu technischem SEO 2026
Was gehört 2026 zum technischen SEO?
Crawlbarkeit und Indexierung mit robots.txt, Canonicals und Sitemap, die Core Web Vitals LCP, INP und CLS, HTTPS, eine saubere Überschriftenstruktur und strukturierte Daten für die von Google unterstützten Typen. Dazu kommen IndexNow für Bing und die übrigen teilnehmenden Suchmaschinen sowie die Pflege der Bing Webmaster Tools.
Welche Werte gelten für die Core Web Vitals?
Gut sind ein LCP von höchstens 2,5 Sekunden, ein INP von höchstens 200 Millisekunden und ein CLS von höchstens 0,1. Maßgeblich sind die Werte echter Besucher am 75. Perzentil, getrennt nach Mobil und Desktop. Ein INP über 500 Millisekunden gilt als schlecht.
Lohnt sich FAQ-Markup noch?
Für eine besondere Darstellung in der Google-Suche nicht mehr: Seit dem 7. Mai 2026 zeigt Google keine FAQ-Rich-Results mehr an. Ein gut gegliederter Frageteil auf der Seite bleibt trotzdem nützlich, weil er Lesern konkrete Antworten gibt.
Brauche ich eine llms.txt oder besonderes Markup für die KI-Suche?
Für Google nicht. Google schreibt, dass für AI Overviews und AI Mode keine zusätzlichen Dateien, kein besonderes Markup und keine speziellen Optimierungen nötig sind und dass die Suche llms.txt nicht nutzt. Schaden kann die Datei nicht, sie ist aber ein Vorschlag und kein verbindlicher Standard.
Unterstützt Google IndexNow?
Google gehört nicht zu den Suchmaschinen, die indexnow.org nennt. Für Google bleibt die Sitemap, eingereicht in der Search Console, der übliche Weg. Bing, Naver, Seznam.cz, Yandex und Yep erhalten IndexNow-Meldungen direkt.
Fazit
Technisches SEO 2026 belohnt das, was gute Softwareentwicklung schon immer ausgezeichnet hat: saubere Struktur, Geschwindigkeit, Verlässlichkeit und inhaltliche Tiefe. Neue Pflichtdateien oder Tricks für die KI-Suche braucht es nach Aussage von Google nicht. Wer die Grundlagen sauber umsetzt und regelmäßig misst, hat einen nachhaltigen Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die SEO noch als Nachgedanken behandeln.